Gedanklich und theoretisch können wir alle unheimlich viel bewegen, aber wenn es dann um die Umsetzung geht, bleibt vieles einfach liegen. Jahrzehntelang habe ich mir gesagt: „Wenn ich mal im Ruhestand sein werde, dann kann ich mit dem Klavierspielen anfangen. Irgendwie trieb mich das Gefühl um, dass mir selbstgespielte Musik im Leben fehlt. Als dann ein Klavier ins Haus kam, damit eine Tochter darauf üben konnte, dachte ich mir: Scheint doch ganz schön schwierig zu sein, solange ich nicht mehr Zeit habe, brauche ich gar nicht damit anzufangen. Doch dann gab mir eine Krankheit den nötigen Schubs. Wer weiß wie lange du noch zu leben hast, tue das, was dir wichtig ist – jetzt! Und wie es dann der Zufall so will, fand ich in einem Geschäft einen Flyer mit dem Slogan: „Man ist nie zu alt, um Klavierspielen zu lernen.“ Bei dieser Lehrerin bin ich jetzt seit 6 Jahren. Ich werde sicherlich keine Pianistin mehr und das Lernen geht langsam, doch es bereichert mein Leben ungemein, darum:

Erfolgsfaktor 1: Just do it

„Pack ma‘s!“, wie ich als Münchnerin sagen würde oder wie es mir einmal aus einem Navi in einem Hamburger Leihwagen unvermutet entgegenschallte: „Jetzt geiht‘s lous“. Zum von mir festgelegten Zeitpunkt fange ich an, ohne Wenn und Aber. An dieser Stelle ist kein Nachdenken mehr, sondern tatsächliches, sichtbares Handeln angesagt. Seit 2011 meine Entscheidung gefallen war, täglich 30min Gymnastik zu machen und ich erkannt habe, dass morgens vorm Ankleiden der beste Zeitpunkt dazu ist, lege ich die Matte aus, stelle den Timer auf 30 Minuten und los geht’s. Da ich Englisch mag, habe ich mir ein: „just do it“ zugerufen und mich gefreut, wie sehr mir das hilft. Nur um etwas später leider feststellen zu müssen, dass Nike schon vor mir auf diesen Spruch gekommen ist, was ihn aber deswegen nicht weniger wirkungsvoll für mich macht.

Was rufen Sie sich zu, was brauchen Sie um das anzufangen, was sie schon lange tun wollten?

Erfolgsfaktor 2: Umgang mit der Zeit

Ist ja ein komisches Phänomen diese Zeit. Sie hat jeden Tag die gleichen 24 Stunden und dennoch hat schon jeder die Erfahrung gemacht, wie unterschiedlich schnell Zeit vergehen kann. Ich habe mir angewöhnt für jeden Tag am Vorabend oder in der Früh einen Plan zu machen, zu klären welche Termine bereits festliegen, welche Aufgaben welchen Zeitslot bekommen sollen und wo ich mir für mich Pausen hinlege.

Wie planen Sie Ihren Tag und Ihre Pausen? Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse und damit sich selbst da ernst genug?

Für den beruflichen Alltag bin ich ein Fan des „timeboxing“. Das Einplanen fester Zeitblöcke für die Aufgabenerledigung gab es früher natürlich auch schon, aber die agile Bewegung hat der Arbeit in vordefinierten Slots zu neuem Glanz verholfen. Es kommt dabei darauf an, ein möglichst realistisches und passendes Zeitfenster für eine zu erledigende Aufgabe zu planen. In diesem Zeitfenster liegt der Fokus einzig und allein auf dieser Aufgabe. Werden Sie verbindlich und geben Sie Ablenkungen keine Chance!  Als berufstätige Mutter mit Telearbeitsplatz hatte ich mit meinen Töchtern vereinbart, dass sie, wenn die Arbeitszimmertür zu ist, nur in Notfällen (z.B. bei Verletzungen) reinkommen dürfen. War nicht immer leicht für uns alle, aber hat letztendlich geklappt. Wenn die geplante Zeit um ist, hören Sie auch wirklich auf. Hier heißt es die vorher getroffene Abmachung einzuhalten. Dies gilt auch nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für die Teams, die z.B. in einem 14tägigen Sprint ein Softwaremodul fertigstellen.  Mit der Zeit bekommen die Beteiligten so auch ein Gefühl für das jeweils optimale Zeitkontingent und müssen immer weniger zu Pufferzeiten greifen oder deadlines verschieben.Aber was tun, wenn sich ein Flowzustand breitmacht und die Arbeit nur so fließt? Unterbrechen nur weil die geplante Zeit um ist? Wenn ich selbst die timebox festgelegt habe, dann kann ich selbst diese auch verändern, z.B. noch ½ Std zugeben, dann ist aber wirklich Schluss. Idealerweise bleibt dies aber eine Ausnahme, die ich ganz bewusst und nicht zu häufig vornehme. Arbeite ich oft in einer Art Flowzustand dann plane ich mir eben längere Zeitabschnitte ein.Und dann gibt es gottseidank auch noch freie Zeit an Wochenenden, Gleittagen, im Urlaub. Herrlich in den Tag hineinleben zu können und Dinge nach Lust und Laune anzupacken oder eben nicht. Als unsere Kinder noch kleiner waren, haben wir uns am Wochenende öfter mal abgewechselt, damit einer von uns freie Zeit für sich hatte. Und ein verlängertes Elternwochenende pro Jahr dank tatkräftiger Unterstützung durch die Oma oder die Schwägerin konnte verlässlich stattfinden und hat uns gutgetan. Ich glaube fest an das ursprünglich englische Sprichwort:

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“

Erfolgsfaktor 3: Selbstbestimmung

Aber stimmt das mit dem Willen und dem Weg überhaupt? Ist es möglich sich im beruflichen Alltag mehr selbstbestimmt als fremdbestimmt zu erleben? Laut Friedrich Engels war Hegel der erste, der das Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit richtig darstellte. Für Hegel war die Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit. Und nicht wie viele meinen, dass Freiheit bedeutet: „ich kann jederzeit machen was ich will, ohne auf die Konsequenzen für mich und andere achten zu müssen, weil mir das schlichtweg schnuppe ist.“Für mich heißt Selbstbestimmung, dass ich zu Themen, die ich nach reiflicher Überlegung nicht ändern oder „wegklicken“ kann, aktiv „ja“ sage. Ein Vorgehen, das sich in Zeiten der Covid-Pandemie täglich trainieren lässt. Meine Töchter konnten das mütterliche: „Love it, leave it oder change it“ irgendwann nicht mehr hören und dennoch bin ich dabei geblieben. In letzter Konsequenz bestärkt durch Viktor Frankl, der sogar das KZ überlebt hat und den ich zitieren möchte: Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“. Natürlich hoffe ich inständig nie in so eine Lage zu kommen.Natürlich gibt es noch mehr Erfolgsfaktoren, die Selbstorganisation gelingen lassen, seien Sie gespannt.

Mit besten Grüßen

Ihre Harriet Kretschmar


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